Wenn wir Ärzte alte Menschen besser behandeln wollen, müssen wir lernen diese zu verstehen. Ihre Lebensgeschichte und die individuelle Lebenssituation spielen dabei eine entscheidende Rolle. Oft ist das subjektive Empfinden des Patienten wichtiger als der „objektive“ Befund des Arztes. Deshalb sollte die Ausbildung der Ärzte im Bereich der Alterskrankheiten verbessert werden. Allein das Wissen über körperliche Erkrankungen reicht nicht aus. Der Arzt muss das Wechselspiel zwischen Leib und Seele begreifen.
Eine besondere Herausforderung ist die steigende Zahl von alten Menschen, die an einer Demenz leiden. Wer im Gesundheitswesen arbeitet – egal ob im Krankenhaus, in Arztpraxen oder bei den Krankenkassen – muss Kenntnisse über den Umgang mit Demenzpatienten erwerben. Nur so lassen sich Konflikte mit und Überforderungen von Patienten vermeiden.
Das Ziel: Rehabilitation vor Pflege
Wichtig erscheint mir, in der Behandlung dieser Menschen die Menge der Medikamente auf ein absolutes Mindestmaß zu beschränken. Unser Ziel muss stets sein: Rehabilitation vor Pflege. Deshalb sollten wir Krankengymnastik, Ergotherapie und Hirnleistungstraining verstärkt einsetzen.
Angehörige leiden mehr als die gepflegten Patienten
Unsere Aufgabe ist auch, künftig mehr auf pflegende Angehörige zu achten. Viele kommen bei der Pflege an den Rand ihrer physischen und psychischen Möglichkeiten. Ich erlebe immer wieder, dass die Angehörigen mehr leiden, als die von ihnen gepflegten Patienten. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass sie durch professionelle Dienste entlastet werden.
Medizin muss ein würdiges Sterben ermöglichen
Noch ein Gedanke zum Ende des Lebens. Wenn wir medizinisch nicht mehr heilen können, muss geklärt werden, welche Behandlungen noch durchgeführt werden sollen. Diese Entscheidung müssen Patienten, Angehörige, Ärzte und Pflegepersonal gemeinsam treffen. Ich finde es entscheidend, dass unser palliatives Vorgehen dem Menschen ein würdiges Sterben ermöglicht.
Prof. Dr. med. Hans Georg Nehen
ist Chefarzt im Geriatriezentrum Haus Berge Elisabeth-Krankenhaus in Essen.
Nicht alle alte Menschen sind Experten für das Leben, aber es ist unsere Aufgabe ihnen auf dem Weg dahin zu helfen!














Danke Herr Dr.Nehen,
solche Worte aus Sicht eines Arztes ermutigen mich, die Hoffung auf altersspezifische Behandlung trotz nicht auf zu geben, obwohl sich die Versorgung im Gesundheitswesen momentan stark verändert.
Bin auch der Meinung, dass die Ausbildung der Ärzte im Bereich der Alterskrankheiten verbessert werden sollte. Schöner Artikel.
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von caritas_webfamilie erwähnt. caritas_webfamilie sagte: Alte Patienten – neue Herausforderungen für Ärzte. "Objektive" Befunde helfen Patienten oft nicht weiter. http://tinyurl.com/2w23l8c #alter [...]