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pflegen & begleiten

Mehr Anerkennung für pflegende Angehörige

Geschrieben von Maria Wiegand am 19. April 2010
Schlagworte: , | 1 Kommentar

Zwei Frauen blicken sich an (c) KNAIn unserer Gesellschaft gibt es viele Menschen, die unermüdlich und fast unbemerkt ihren Dienst verrichten. Sie pflegen ihre Angehörigen – zum Teil über Jahre hinweg. Die Pflegebedürftigen selbst haben mittlerweile wenige, dafür aber laute Fürsprecher – was gut und richtig ist. Doch was ist mit den pflegenden Angehörigen? Wir dürfen überall helfen, aber wenn wir uns zu Wort melden, werden wir ungern gehört, wenn nicht gar als störend empfunden. Das muss sich ändern.

Wir wollen Gesundheitspolitikern, professionell Pflegenden und dem Rest der Gesellschaft klar machen, dass wir die Pflegeleistungen gern erbringen, dass wir aber auch Anerkennung verdienen und unsere Rechte haben. Niemand außer uns kann wirklich Auskunft darüber geben, was die Pflege von Angehörigen ausmacht, wie sie das Leben, die Familie, die Gesundheit und die Lebensplanung verändert.

Wenn die Dauerpflege zur Dauerbelastung wird

Dauert die Pflege nur Wochen oder wenige Monate, stellen viele gerne ihre Bedürfnisse zurück und sind froh, für die Pflegebedürftigen da zu sein. Dauert die Pflege aber Jahr um Jahr, nimmt sie dabei noch an Intensität zu und die Kommunikation mit dem gepflegten Angehörigen ab, zehrt es mehr und mehr an der Substanz der Pflegenden. So ist es bei vielen Eltern, die über Jahre für ihre behinderten Kinder sorgen. So ist es bei Menschen, die aufgrund des medizinischen Fortschritts schwere Krankheiten überleben, aber dann bis an ihr Lebensende auf Hilfe angewiesen sind. Und so ist es aufgrund der verlängerten Lebenserwartung bei den vielen, die an Demenz erkranken. Da ist eine durchschnittliche Pflegedauer von mehr als acht Jahren eine lange Zeit, in der das Leben der pflegenden Angehörigen von der Pflege bestimmt wird.

Pflegende Angehörige vertreten ihre Interessen selbst

Wer aber schätzt diese Leistung, wer interessiert sich für den Alltag eines pflegenden Angehörigen und wieso wird diese Leistung in unserer Gesellschaft so wenig geachtet?

Um dies bewusst zu machen und um die pflegenden Angehörigen selbst zu Wort kommen zu lassen, haben wir IspAn gegründet, die Interessenselbstvertretung der pflegenden Angehörigen. Wir als ehemals oder noch Pflegende wollen für diese große Gruppe eintreten und ihr Gehör und Anerkennung verschaffen. Im Rhein-Main-Gebiet und im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald haben sich erste IspAn-Gruppen gebildet. Sie treffen sich und halten Kontakt zueinander um die Probleme pflegender Angehöriger zu ermitteln und bei deren Lösung mitzuhelfen. Schließlich sind pflegende Angehörige in der Regel erwachsene Menschen, die an den Angelegenheiten beteiligt werden wollen, die sie betreffen.

Vier Mitglieder der IspAn-Gruppe aus FrankfurtMaria Wiegand

ist Mitglied in der Frankfurter IspAn-Gruppe. Weiterführende Informationen zur Arbeit der Interessenselbstvertretung pflegender Angehöriger gibt es auf www.ispan.de.

Alte Menschen sind für uns Experten des Lebens, weil sie einen reichen Schatz an Erfahrungen haben.

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1 Kommentar zu “Mehr Anerkennung für pflegende Angehörige”

  1. Hans-Werner sagt:

    Frage im Blog, Zitat:

    Wer aber schätzt diese Leistung, wer interessiert sich für den Alltag eines pflegenden Angehörigen und wieso wird diese Leistung in unserer Gesellschaft so wenig geachtet?

    Anmerkung:

    Meint die tapfere Frau Maria Wiegand wirklich eine Antwort auf ihre Frage zu bekommen?
    Anscheinend schon, denn anderenfalls hätte sie diesen Blog nicht geschrieben!

    Also hier meine Antwort:

    Liebe Frau Wiegand, ich vermute einmal, sie wären auch nicht besonders unglücklich, wenn niemand auf Ihre Frage geantwortet hätte, denn das ist offensichtlich das normale Verhalten in “unserer Gesellschaft”, in der Feigheit einen hohen Stellenwert besitzt. Seien Sie stolz auf sich, diese Frage gestellt zu haben.

    In Ihrer Frage erwähnen Sie zweimal den Begriff: “Leistung”. Warum machen Sie das? Ist Ihnen die Anerkennung der “Leistung” wirklich so wichtig? Sie erbringen doch schlicht und einfach bei Ihrer aufopfernden Pflege Leistung und höchstwahrscheinlich sogar Höchstleistung über einen langen Zeitraum hinweg. Die “Leistungen” der sportlichen Helden des bevorstehenden weltumspannenden sportlichen Großereignisses im Bereich von ballgestützter Beinakrobatik ist im Vergleich zu Ihrer Leistung doch wirklich nur Kikifatz. Sollte Ihnen das Bewusstsein über Ihre herausragende Leistung nicht reichen?

    Gut, Sie wollen keinen Trost und keine Almosen und außerdem hinkt der Vergleich. Aber eine wichtige Übereinstimmung zwischen den “Engagements” sehe ich doch:

    Die Ballakrobaten müssen während ihrer Darbietungen immer wieder Aufgaben übernehmen, für die sich anscheinend sonst niemand zuständig fühlt. Wenn der Ball irgendwo im Spielfeld landet, wo sich aktuell kein Ballakrobat befindet, und das passiert nicht nur rein zufällig, dann muss irgend jemand auf dem Spielfeld zu sich sagen: so diese Herausforderung nehme ich jetzt persönlich in die Hand. Was er dann natürlich nicht macht, denn das wäre, wenn es auffällt, regelwidrig. Deswegen und nur deswegen wird der Ball überwiegend mit den Beinen traktiert.

    Frau Wiegand, Sie haben auch eine Herausforderung angenommen ohne viel zu fragen, ob Sie das nun wollten oder nicht. Sie haben sich dafür doch anscheinend hervorragend qualifiziert! Ach so, Sie können Sie sich an irgendwelche Qualifikationsverfahren, Nominierungsverfahren, Trainingsrunden und Vorbereitungsspiele nicht erinnern! Tja, sei es drum. Auch wenn Sie eine ehrenvolle Nominierung abgelehnt hätten, die niemals von wem auch immer ausdrücklich ausgesprochen wurde, was hätte das für Folgen gehabt? Gut, ich schmücke den Vergleich zu den aufregenden und die Nachrichtenlage “unserer” Gesellschaft dominierenden Nachnominierungsbemühungen für einen lädierten Ballakrobaten nicht weiter aus.

    Sie sind mit meiner Antwort immer noch nicht zufrieden? Akzeptiert! Um den zentralen Punkt habe ich bisher tatsächlich drumrum geredet so wie die Ballakrobaten mit dem Ball halt ein bischen herum trippeln bevor sie das Leder völlig unerwartet und unhaltbar in das nächstliegende Tor knallen. Nein, es sollte noch stehen bevor ein Tor fällt. Das war dann die “Leistung”, die die Nation zum Schwärmen bringt. Tja, das ist eine ganz besondere Leistung, da können pflegende Angehörige nur vor Neid erblassen!

    Der zentrale Punkt scheint tatsächlich die “Leistung” zu sein, die Sie zweimal in Ihrer Frage erwähnen.

    Könnte es sein, dass in Zeiten in der Geld die Welt regiert als Resultat von echter Leistung ausschließlich das Vermehren von Geld oder geldwerter Aufmerksamkeit in jeglicher Ausführungsform verstanden wird und Sie sich dieser allgemeinen Vorstellung nicht so einfach entziehen können?

    Erwarten Sie für Ihr Engagement eine Gegenleistung in Form von nennenswerten Geldbeträgen oder in Form einer “Anerkennung”? Beides werden Sie nicht erhalten! Das steht fest, denn die Meinungsmacher “unserer Gesellschaft” haben da ein Wörtchen mitzureden. Nur Aktionen und akrobatische Einlagen die schlussendlich Geld in der Kasse (Wessen Kasse?) klimpern lassen sind gewünscht, alles andere ist nur zähneknirschenderweise geduldetes Beiwerk.

    Es ist schon eine Leistung, wie die Leistung von Millionen von pflegenden Angehörigen im öffentlichen Bewusstsein ausgeblendet wird. Das ist nur machbar, weil “Geld” als das ausschließliche Kriterium für die Beurteilung sämtlicher Lebensäußerungen hochstilisiert wurde und “Geld” sich anscheinend in jede zwischenmenschliche Beziehung schieben darf. Irgendeine offizielle “Anerkennung” würde den Wert von “Geld” relativieren und das darf und wird nicht geschehen. Wir erleben gerade die Zeit in der dieser brutale Irrweg der Menschheit seinem Ende entgegen geht.

    Liebe Frau Wiegand, Sie und Ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind auf dem richtigen Weg. Wer soll es besser wissen, wo es lang geht oder lang gehen sollte! Sie werden ihre Ziele erreichen.

    Toj, toj, toj.
    Top, die Wette gilt! :-)

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