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Sonntagabend, Krimiabend. Im Tatort stirbt ein 80-Jähriger an Herzversagen. Todesursache: Medikamentenvergiftung. Die Fassade der intakten Großfamilie bröckelt, als die Polizei ermittelt. Der Tod löst sich erst durch eine Videobotschaft auf, in der das in die Jahre gekommene Paar den Kindern schildert, warum es den Freitod vorzieht. Warum die beiden lieber sterben möchten, als ihren Kindern zur Last zu fallen oder in ein Altenheim zu gehen. Ich konnte diesen Tatort nicht anschauen, ohne an die Menschen und Schicksale in unseren Seniorenzentren zu denken, die wenig mit der großbürgerlichen Fernsehidylle zu tun haben.

Bei uns leben alt gewordene Menschen, die es auf den ersten Blick nicht so gut hatten wie der reiche Rechtsanwalt im Film. Und dennoch möchten sie keinen Tag ihres Lebens missen. Sie fühlen sich nicht als Altlast entsorgt, sondern als Menschen angenommen. Sie sind dankbar für die Zuwendung, die sie durch die Mitarbeitenden jeden Tag neu erfahren.

Die Würde des Alters respektieren

Was der Tatort zur besten Fernsehzeit in die Wohnzimmer brachte, ist leider das traurige Abbild dessen, was heute mit Altsein in unserer Gesellschaft verbunden wird. Er, gezeichnet von einer Krebserkrankung, weiß, dass sich sein Zustand weiter verschlechtern wird. Sie, die mit zunehmender Demenz in eine eigene Welt aufbricht und in der Angst lebt, ihren geliebten Mann dort mich mehr zu finden. Gleichzeitig war der Krimi auch eine selbstbewusste Provokation des Alters für eine Gesellschaft, die nicht mehr jünger, aber dafür deutlich ärmer wird, wenn sie die Würde des Alters nicht mehr zu respektieren weiß.

Das Glück des erfüllten Lebens

Es sind gemischte Gefühle, die mich bis heute seit diesem Tatort begleiten. Die plakativ und pointiert überzogene Botschaft trifft ins Rückrat unserer Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der alte Menschen lieber sterben möchten, als leben zu können. Die überwiegend fiskalisch motivierte Debatte über Pflege und demografische Herausforderungen wird diese Gesellschaft nicht lebenswerter machen. Wir müssen auch den Reichtum des Schenkens und Beschenkt Werdens erkennen. Wir müssen die Aussicht auf das Glück eines erfüllten Lebens – auch im Alter – als einen Wert entdecken, an dem sich letztlich der Wert einer Gesellschaft zeigt.

Günter Mosen

Günter Mosen

ist seit 40 Jahren in verschiedenen Führungspositionen für den Barmherzige Brüder Trier e. V. tätig. Als Geschäftsführer „Soziale und berufliche Rehabilitation, Psychiatrie und Altenhilfe“ ist der Groß- und Einzelhandelskaufmann auch für die Seniorenzentren der BBT-Gruppe mit rund 500 Wohn- und Betreuungsplätzen verantwortlich.

Alte Menschen sind für mich Expertinnen und Experten fürs Leben, weil sie unsere Gesellschaft lebenswert machen.

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5 Kommentare zu “Entsorgte Altlasten oder erfüllter Lebensabend”

  1. Sehr geehrte Frau Mäder,
    sehr geehrter Herr Mosen,

    für Ihren Beitrag und Ihren Kommentar möchte ich mich herzlich bedanken.
    So wirklich verstehe ich die Kritik von Frau Mäder nicht. Ich lese in dem Beitrag von Herrn Mosen nichts an Weltfremdheit und schon gar nichts von einer möglichen Ursache der “Ämterhäufung”. Dass einige älter werdende Menschen ob Ihrer eingetretenen oder drohenden Pflegebedürftigkeit an Suizid denken, ist wohl richtig und m.E. ein Stachel in unserer Gesellschaft. Alte Menschen werden in der öffentlichen Wahrnehmung doch oft nur als GAU für die Kranken- und Rentenversicherung angesehen und für die Pflegeversicherung sowieso. Es geht doch nur noch um den demographischen Wandel und wie man die finanziellen Lasten daraus tragen kann – und dass man das eigentlich nicht bezahlen kann. Einen Ausdruck gesellschaftlicher Wertschätzung kann ich hier jedenfalls nicht oder nur selten entdecken.

    Eine dieses Empfinden treffende Darstellung in Spielfilmen, Tatorts, Serien etc. ist dann nur noch die Bedienung der vermeintlichen gesellschaftlichen Empfindung: Nämlich die, dass die Wertigkeit eines Menschen von seiner Leistungsfähigkeit abhängt. Das ist dann zwangsläufig damit verbunden, dass das Selbstwertgefühl schwindet und Depressionen auftauchen, wenn ein Mensch nicht mehr leistungsfähig oder nützlich ist
    .
    Von einem UNBEDINGTEN Angenommensein, welches uns Jesus Christus vorgelebt hat, sind wir wohl sehr weit entfernt. Insofern kann ich gerade dem letzten Abschnitt von Herrn Moser nur zustimmen.

    Ihrem Beitrag, Frau Mäder, kann eine Menge Enttäuschung über Ihre Erlebnisse entnommen werden. Die Gesellschaft als Ganzes werden wir als Einzelne und kleiner Teil dieser Gesellschaft wohl nicht können. Wir können aber in unserem je eigenen Wirkungsgebiet dafür sorgen, dass Akzente anders gesetzt werden: Herr Moser bei den Barmherzigen Brüdern in Trier, ich als Einrichtungsleiter einer Altenpflegeeinrichtung und Sie in Ihrem Wirkungskreis durch Ihre Autobiographie.

    Wenn es in unserer Einrichtung gelingt, alten, pflegebedürftigen Menschen das Gefühl des Angenommenseins und der unbedingten Wertschätzung zu vermitteln, dann ist dies auch ein (kleiner) Beitrag zur Veränderung oder besser Gestaltung unserer Gesellschaft. Und viele so arbeiten, werden aus einzelnen Leuchttürmen auch Leuchtfeuer.

    Christian Krautscheid

  2. Günter Mosen sagt:

    Sehr geehrte Frau Mäder,
    Wissen Sie: anders als Sie glaube ich, dass sich Gesellschaft ändern lässt. Und zwar durch jede und jeden von uns, in der Art und Weise, wie wir Gesellschaft unter Achtung und im Respekt vor und mit unseren Werten gestalten. Das ist ein niemals abgeschlossener Prozess, eine ständige Aufgabe
    zu der jede und jeder beiträgt. Wie Sie mit Ihrer Autobiographie, so ist es wichtig, dass es viele Menschen gibt, die sich hier nicht entmutigen lassen. Denn jede und jeder ist auf seine eine “Expertin, ein Experte für das Leben”,
    der Missstände ändern kann und unsere Gesellschaft immer wieder neu lebenswert macht.

  3. Christina sagt:

    Hallo Verena!

    Ich dachte, ich schreibe auch mal was zu Ihrem Kommentar.

    Was genau kritisieren Sie jetzt eigentlich an dem Beitrag? Dass Herr Mosen traurig ist über den Weg, den die Gesellschaft geht? Was soll denn ihrer Meinung nach getan werden? Habe ich das richtig verstanden, dass sie mit ihrer Autobiografie die Gesellschaft beeinflussen wollen? Das wäre ja auch ein interessanter Weg.

    Christina

  4. Verena Mäder sagt:

    sehr geehrter Herr Mosen
    als ich Ihren Beitrag las, dachte ich mir nur: wie weltfremd muss dieser Mann nur sein, dass er nicht verstehen kann dass es Leute gibt die an einen Suizid denken, um andern nicht weiter zur Last fallen zu müssen! Ich ahnte es: das ist ein Mann der in weiss nicht wie vielen “ÄMTERN” tätig ist der das geschrieben hat!Ich glaube längst nicht mehr dass die Gesellschaft sich ändern wird betreffend STIGMATISIERUNG, VERLEUMDUNG, EHRVERLETZUNG, MENSCHENWÜRDE usw. Glauben Sie mir ich weiss aus eigener Erfahrung (in der Schweiz) wovon ich rede! Da ich seit letztem Sommer in Deutschland lebe, wo ich mich sehr wohl fühle (die meisten Deutschen lieben ja die Schweizer)habe ich kürzlich an einem Altenheim diese homepage gesehen. Ich selber (63 Jahre Postbeamtin i. R.) schreibe zur Zeit mein erstes total autobiographisches und bebildertes Buch! Mehr als 300 “Manuskripte” sind in meinem PC abgespeichert. Wenn ich dann alles überarbeitet habe (natürlich werde ich ein Pseudonym gebrauchen müssen)bin ich gespannt ob ich einen Verleger finden werde, oder ob ich mein Buch selber drucken werde, um es so an interessierte Menschen zu verkaufen. Nun bin ich erst einmal gespannt ob Sie mir antworten werden! Grüässli von der Auslandschweizerin Verena im Glück :-)

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