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Vor wenigen Tagen erreichte mich eine rätselhafte Mail: „Hallo Onkel Wilhelm, du Lebenserfahrener. Was mach ich damit, dass es hilft? Bin noch nicht fertig, fehlen ja noch 20 Jahre. Ich möchte, dass Menschen daran gewinnen. Liebe Grüße Andreas“ Die Frage schien dringend. Ich schrieb meine Antwort ohne weitere Rückfrage: “Lieber Andreas, wenn Du das Leben meinst, kann ich Dir raten. Es ist ganz einfach, Du musst es nur tun.

Dass Du eine solche Frage stellst, spricht sehr für Dich! Wenn Du mit jemand sprichst oder zusammen bist, soll der andere sich danach ein kleines bisschen besser fühlen. Ich nenne das Ermutigung. Du wirst die bessere Stimmung der Angesprochenen hundertfach als positive Energie zurückbekommen.

Du kannst in der Familie anfangen oder mit sympathischen Fremden, Mitarbeitern oder Partnern, vielleicht auch mit der Pflegerin, die Dich versorgt. Hebe Dir die schweren Brocken für später auf. Du kannst anderen besser helfen, wenn Du selbst positiv gestimmt bist. Suche doch einfach beim Gegenüber nach den offenen oder verborgenen guten Seiten. Knüpfe dort an und beginne nicht mit dem Unvollkommenen oder Störenden.

Neue Blickrichtung finden

Vielleicht musst Du auch bei dem, was Du erlebst, eine andere Blickrichtung finden. Eines hat mir sehr geholfen. Jede Nacht gehe ich durch ein kleines Wäldchen auf das Feld in der Höhe und halte an einem Wegkreuz an. Dort danke ich dafür, dass ich diesen Weg noch gehen kann und mich an den Sternen, am Mond am Nebel oder dem Regen freuen kann. Und ich denke an den Tag zurück, was er mir geschenkt hat, wo mir etwas nicht ganz misslungen ist oder wo es Grund zur Freude gab.

Aber diesen positiven Blick kann man schon am Tage üben. Nach meinem Radunfall vorgestern habe ich das als deutliches Zeichen bewertet, dass ich nie mehr ohne Schutzhelm fahre, denn der Schädel hätte auch splittern können, nicht nur die Haut aufplatzen und der Kopf schmerzen. Die Iren sagen dazu: “It could be worse“.

Glücklich bleiben

Ich finde so viele Gründe, mich zu freuen. Bei jeder Treppe, die ich in einem Kaufhaus oder Krankenhaus gefunden habe, freue ich mich auf das kostenlose Training. Ich genieße die Schneeflocken, die heute zur Erde schwebten, oder die letzte Rose, die noch gestern im Vorgarten blühte. Ich lausche den Klängen eines Barockorchesters und bin glücklich, dass ich am Bett meiner gelähmten Frau zur Nacht noch einen festen Kanon von Abendliedern singen kann. So bleibe ich trotz der Pflege ein glücklicher Mensch.

Dr. Wilhelm Knabe

ist 87 Jahre alt und lebt in Mülheim an der Ruhr. Knabe war Forstwissenschaftler, Umweltpolitiker sowie Mitbegründer der Grünen. Seit 2004 engagiert er sich verstärkt ehrenamtlich für alte Menschen. Er ist Mitbegründer der Grünen Alten und des Europäischen Netzwerkes Grüner Senioren (ENGS). Wilhelm Knabe will anderen mehr über seine Lebensphilosophie erzählen: “Traumziel erfülltes Alter – alt werden und lebendig bleiben”.

Alte Menschen sind für mich Expertinnen und Experten fürs Leben, weil sie lernen konnten, für andere da zu sein.

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4 Kommentare zu “Experte für Ermutigung sucht Gleichgesinnte”

  1. Thomas sagt:

    Hallo Hr. Knabe

    Ich habe Ihren Text zwei mal sehr gut druchgelesen. Ich muss sagen, Ihre Worte sind die richtigen worte.
    Ich arbeite seit 10 Jahren als Krankenpfleger in einem Pflegeheim (verschiedenen).
    Wenn ich Lebenfroh bin, oder traurig bin, dann merken es meine Bewohner sofort. Was mir sehr wichtig ist in meinem Beruf ist, dass ich den Leuten also den Bewohnern der letzte Lebensabschnitt so gut wie möglich behilflich sein kann. Ich sage immer zu den Lernenden die ich betreue, der “alte Mensch” und dass meine ich nicht abwertend im gegenteil, ist mit so einem riesigen Rucksack beladen und hat unsere jetztige Welt mit gegründet. Ich möchte dass sie zuvorkommend und Respektvoll mit Ihnen umgehen.
    Denn sie wussten noch was verzichten heisst, teilen, und wussten noch was wete waren. Was mann heute nicht bei jedem sagen kann.
    Ich sage auch immmer, sie können in unserer welt leben, wir könnten jedoch nicht mehr in ihrer Welt leben, da wir viel zu verwöhnt und faul sin. Ich bin auch erst 26 habe aber einen riiisen respekt vor älteren Leuten!

  2. lungstrass sagt:

    Hallo Herr Knabe,

    ich ( 53 bald 54 ) hab z.Zt. ne furchtbare Krise .
    Grund : Mit 53 arbeitslos, dann volle Stelle als Berufsschullehrer, klappt aber nicht aufgrund von sog.
    “Psychosomatose”. Hab Freitag einen Termin bei Caritas in Kaiserslautern wg. Suchtproblemen.
    Liebend gerne würde ich mich da beruflich betätigen.

    Jürgen Lungstrass

  3. Gaia sagt:

    Lieber Herr Knabe, ich bin beeindruckt und ermutigt von Ihrem Text. Vielen Dank!

  4. Bine sagt:

    Ihr seid so super, und die kampagne auch!

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