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pflegen & begleiten

Gegen das Imageproblem der Altenpflege

Geschrieben von Björn Krause am 12. Juli 2010
Schlagworte: , | 2 Kommentare

Altenpfleger und alte Dame (c) KNA / OppitzWarum gerade Altenpflege? Das haben mich Freunde und Bekannte schon häufiger gefragt. Wenn ich mich mit ihnen über meinem Berufsalltag unterhalte, habe ich oft das Gefühl, mich für meine Entscheidung rechtfertigen zu müssen. Fragen, die nur gestellt werden, um Bestätigung für das eigene negative Bild der Altenpflege zu bekommen, weiß ich mittlerweile gekonnt zu umschiffen. Viele würden ihr Bild der Pflege revidieren, wenn sie sich ernsthaft interessieren und ein eigenes Bild machen würden.

Zivildienst als wichtige Entscheidungshilfe

Nachdem ich verschiedene Berufe ausprobiert und festgestellte habe, dass nichts davon richtig zu mir passt, habe ich mich bewusst für eine Ausbildung in der Altenpflege entschieden. Als einschneidende Erfahrung verbuche ich meinen Zivildienst in einem Altenpflegeheim. Es hat viel Spaß gemacht, den Menschen bei der täglichen Versorgung zu helfen und sie zu betreuen. Dabei können sich richtig schöne Gespräche entwickeln, wenn sich das dazu nötige Vertrauen aufgebaut hat. Alte Menschen haben so viel zu erzählen, wenn ich ihnen nur zuhöre. Die Menschen sind zum größten Teil sehr dankbar für meine Arbeit.

Die Pflege wird an ihren schwächsten Gliedern gemessen

Aufgrund der enormen Aufgabendichte ist es für mich wichtig, mich selbst gut zu organisieren. Es geht darum, mein umfassendes theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen und neben der Direkt- und Behandlungspflege auch Zeit für ein schönes Gespräch oder ein Bewegungsspiel zu finden. Die psycho-sozialen Bedürfnisse alter Menschen möchte ich nicht außer Acht lassen. Das unterscheidet eine professionell arbeitende Pflegekraft von einer Mitarbeiterin, einem Mitarbeiter, der „nur mal so in die Altenpflege“ reingerutscht ist. Anders als in anderen Berufen, wird wohl gerade die Pflege an ihren schwächsten Gliedern bemessen.

Bessere finanzielle Wertschätzung professioneller Pflege

Wenn nun noch neben dem persönlichen Aspekt, die finanzielle Wertschätzung professioneller Arbeit einen größeren Raum einnimmt, wird es hoffentlich gelingen, dass sich mehr qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für einen Pflegeberuf entscheiden. Womöglich finden dann auch mehr Männer den Weg ins Altenpflegeheim. So wäre es möglich viel individueller auf die Bedürfnisse der Bewohner einzugehen, ihr Wohlbefinden zu steigern und dazu beizutragen, eine Pflege unter Wahrung der Menschenwürde und Autonomie zu gewährleisten.

Selbständigkeit alter Menschen so lange wie möglich erhalten

Apropos: Ich bin der Meinung, dass die Selbstständigkeit so lange wie möglich aufrecht erhalten bleiben soll. Im zweiten Ausbildungsjahr habe ich einen 84-jährigen Bewohner mit fortgeschrittener demenzieller Veränderung zum Gang am Rollator angeleitet. Es handelte sich um einen Weg von knapp 30 Metern. Ich habe für ihn im Vorfeld Sitzmöglichkeiten vorbereitet, die er dann auch rege in Anspruch nahm – er war oft außer Puste. Ich motivierte ihn: „Nur noch ein paar Meter, dann haben Sie es geschafft!“ Nach zwanzig Minuten ist er an seinem Platz angekommen. Auch ich bin wohl endlich angekommen – die Arbeit mit und für Menschen wird mich nicht mehr loslassen.

Björn Krause

Björn Krause

ist 31 Jahre alt und in Ausbildung zum examinierten Altenpfleger bis Ende September diesen Jahres, im CBT-Wohnhaus Upladin in Leverkusen/Opladen.

Alte Menschen sind für mich Expertinnen und Experten fürs Leben, weil die alten Menschen, die dich kennengelernt habe, vielfältige Strategien entwickelt haben, mit Problemen und einschneidenden Erfahrungen umzugehen. Dennoch realisieren die meisten, dass es ohne Hilfe nicht geht und lassen sich von einem viel jüngeren Menschen helfen. Die Gespräche mit ihnen sind für mich eine Bereicherung, weil ich gerne persönliche Geschichten und Erlebnisse aus früheren Zeiten höre.

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2 Kommentare zu “Gegen das Imageproblem der Altenpflege”

  1. Manne Mansen sagt:

    Vielen Dank Herr Krause für Ihren Einsatz.
    Es sollte mehr Menschen wie Sie geben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Manne Mansen

  2. christine czeloth-walter sagt:

    Danke Herr Krause für diese motivierenden Zeilen, ich freue mich darüber, dass Sie mit Herz und Seele bei dieser Arbeit sind und ich wünsche Ihnen Rahmenbedingungen, die Ihenen die Möglichkeit geben, diesen positiven Ansatz umzusetzen und zu leben.
    Ganz liebe Grüße Christine Czeloth-Walter

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