Dass in unserer Gesellschaft so viele so gut so alt werden können, ist ein Glücksfall und keine Katastrophe. Das wird man doch zugeben. In den letzten 100 Jahren haben wir drei Jahrzehnte Lebenserwartung gewonnen. Ist das nicht großartig? Vor einem Jahrhundert noch gab es für die Menschen eher selten ein Altwerden. Wer alt wurde, wie der Großvater in Grimms Märchen, hatte sich mit einem hölzernen Schüsselchen hinter den Ofen zu setzen.
Rückgrat für moderne Gesellschaften
Heute leben drei, nicht selten vier Generationen einträchtig nebeneinander. Noch nie gab es mehr Großeltern und Urgroßeltern als heute. Früher lernten die Kinder ihre Großeltern häufig gar nicht kennen. Unsere Familien wachsen nicht mehr in die Breite, sondern in die Höhe. Das liegt daran, dass unsere Kinder weniger Geschwister haben als wir hatten, dafür leben sie aber mit mehr Generationen zusammen. Moderne Gesellschaften bekommen dadurch ein kräftiges Rückgrat.
Junge Paare entscheiden über die demographische Entwicklung
Dass wir weniger Kinder haben, ist auch für die Kinder ein Glück. Denn nicht nur die Erb-, auch die Zuneigungsquote wird größer. Gewiss, die Sorgen sind auch größer. Dass die Sorgen mit den Kindern erst aufhören, wenn sie im Altersheim sind, wie wahr! Die Kinder heute sind im Übrigen, was gerne vergessen wird, fast immer Wunschkinder. Die demographische Entwicklung ist somit das Resultat unzähliger Entscheide von jungen Paaren, Kinder haben zu wollen oder eben nicht. Und die Sorgen, die sich die Eltern und Großeltern heute um die Kinder machen, kommen mit Sicherheit als Zuneigung und Liebe zurück.
Die meisten Hochbetagten leben zu Hause
Altern macht auch Probleme. Alle einschlägigen Studien über Glück zeigen aber, dass man sich in den Jahren nach der Pensionierung am glücklichsten fühlt. Und selbst wenn wir hochbetagt würden, und sich die Zipperlein in Gebrechen verwandeln, landen wir nur ausnahmsweise in geriatrischen Kliniken oder Pflegeheimen. Drei Viertel der Hochbetagten leben zu Hause und sind nicht dement, wie immer die Medien so tun, als sei uns allen dieses Schicksal beschieden. Freuen wir uns an den gewonnenen Jahren!
Prof. Dr. Peter Gross
ist 68 und wohnt im schweizerischen St. Gallen. Der emeritierte Universitätsprofessor hat gemeinsam mit Karin Fagetti ein Buch geschrieben. Es trägt den Titel „Glücksfall Alter – Alte Menschen sind gefährlich, weil sie keine Angst vor der Zukunft haben“ und ist im Herder-Verlag erschienen.
Alte Menschen sind für mich Experten fürs Leben, weil sie hinter sich haben, was junge Menschen noch vor sich haben.















Wie recht Sie haben. Doch leider wird oft nicht so richtig begriffen für was uns diese Zeit geschenkt wurde.