Aufgrund der demographischen Entwicklung wird künftig – trotz der Prinzips „ambulant vor stationär“ – die Bedeutung der stationären Pflege älterer Menschen weiter zunehmen. In der öffentlichen Diskussion über Pflegeheime liegt das Augenmerk vor allem auf der Qualität der Pflege. Beste Beispiele sind die in den Medien thematisierten Pflegeskandale und der aktuelle Streit um die Transparenzberichte des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen (MDK). Die Lebensqualität eines Heimes fällt jedoch oft unter den Tisch. Abhilfe schafft hier eine Internetseite.
Bundesweites Verzeichnis für Pflegeheime
Neben der Einhaltung pflegerischer, baulicher und technischer Standards spielt auch die in einem Pflegeheim gebotene Lebensqualität eine wesentliche Rolle für die Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner. Da die existierenden Verzeichnisse für Pflegeheime lediglich Leistungen und Preise oder Prüfergebnisse zur Pflegequalität veröffentlichen, entschloss sich die Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung e.V. (BIVA) dazu, mit www.heimverzeichnis.de ein eigenes bundesweites Verzeichnis aufzubauen. Darin werden alle Pflegeheime mit ihren Adress- und Kontaktdaten aufgenommen. Darüber hinaus können die Heime selbst ihre Angebote und Leistungen eintragen und sich hinsichtlich ihrer Verbraucherfreundlichkeit begutachten lassen.
Breite Unterstützung für die Begutachtung von Lebensqualität in Heimen
Da das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) den Aufbau von www.heimverzeichnis.de fördert, sind Eintragung und Begutachtung für die Heime aktuell noch kostenlos. Unterstützt wird das Heimverzeichnis auch durch ein Begleitgremium mit Vertretern von Verbraucherverbänden, der Pflegekassen, der Heimaufsicht, des MDK und von Heimträgerverbänden. Unverzichtbar sind natürlich auch die ehrenamtlichen Gutachterinnen und Gutachter, die die Begutachtungen vor Ort vornehmen und dabei unter anderem mit der Heimleitung und der Interessenvertretung der Bewohnerschaft sprechen. Sie sind zumeist zwischen 50 und 75 Jahre alt und stehen teils noch im Berufsleben, teils sind sie bereits im Ruhestand. Erfahrungen mit ehrenamtlichen Tätigkeiten oder dem Thema Pflege sind von Vorteil, aber keine Voraussetzung.
Verbraucherfreundliche Heime bekommen einen grünen Haken
Die Gutachterinnen und Gutachter stellen während ihres Heimbesuchs viele Fragen zu den Bereichen Autonomie, Teilhabe und Menschenwürde. Hier einige Beispiele: „Ist der Gebrauch persönlicher Handtücher und Bettwäsche möglich?“ und „Wird vor Betreten der Bewohnerzimmer grundsätzlich angeklopft und die Erlaubnis zum Eintreten abgewartet?“, aber auch „Werden kulturell, weltanschaulich und religiös geprägte Lebensführungen erfasst, und wird die Betreuungs- und Pflegeplanung entsprechend ausgerichtet?“
Wenn ein Heim bei der Begutachtung in jeder der drei angeführten Dimensionen 80 Prozent der öffentlich einsehbaren Prüfkriterien erfüllt, gilt es als verbraucherfreundlich und wird auf der Website mit einem grünen Haken versehen. Inzwischen ist der grüne Haken mit der zugehörigen Urkunde bei den Heimen sehr begehrt: Es haben sich bereits mehr als 800 Heime erfolgreich einer Begutachtung unterzogen!
Mit www.heimverzeichnis.de gibt es ein sowohl von den Heimträgern als auch von den Kostenträgern unabhängiges Verzeichnis der Pflegeheime, in dem verbraucherfreundliche Heime die Möglichkeit haben, auf sich aufmerksam zu machen. Damit wird ein wichtiger Anreiz für einen Qualitätswettbewerb unter den Heimen gesetzt. Für Menschen, die für sich oder für einen Angehörigen einen Heimplatz suchen, liefert das Verzeichnis eine wertvolle Orientierungshilfe, da die Heime mit ihren Angeboten leicht vergleichbar dargestellt und Informationen zu ihrer Verbraucherfreundlichkeit geboten werden.
Joachim Ritter
ist 49 Jahre und lebt in Frankfurt am Main. Der Diplom-Soziologearbeitet für das Projekt www.heimverzeichnis.de und ist dort vor allem für die Schulung und Betreuung der Gutachterinnen und Gutachter zuständig.
Alte Menschen sind für mich Expertinnen und Experten fürs Leben, weil sie Erfahrungen gemacht haben, die sie an jüngere Menschen weitergeben können.













