Die soziale und finanzielle Absicherung von Angehörigen, die unterstützungs- und pflegebedürftige sowie sterbende Menschen betreuen, ist ein Gebot der Gerechtigkeit und der Solidarität. Dies sollte analog zu den Leistungen geregelt werden, die für Pflege- und Erziehungszeiten bei Kindern gelten. Die Möglichkeiten, die das Pflegeweiterentwicklungsgesetz bietet – zehn Tage oder maximal sechs Monate Freistellung – sind gut. Ohne entsprechende Finanzhilfen ist dies aber nur von bestimmten Einkommensgruppen leistbar.
Laut der Pflegestatistik vom Dezember 2007 erhalten 2,25 Millionen Menschen Leistungen der Pflegeversicherung, rund 1,54 Millionen werden ambulant und rund 0,71 Millionen stationär versorgt. Das bedeutet, dass 68 Prozent der pflegebedürftigen Menschen zu Hause und 32 Prozent in Heimen versorgt werden.
Viele Angehörige sind bereit zu pflegen
Rund eine Million Betroffene nehmen keinen Pflegedienst in Anspruch. Fast jeder zweite Pflegebedürftige wird in der Regel allein von nahestehenden Angehörigen gepflegt. Hinzu kommen schätzungsweise etwa drei Millionen unterstützungsbedürftige Menschen, die in Privathaushalten versorgt werden, ohne Leistungen aus der Pflegeversicherung zu beziehen. Dies zeigt eine hohe Unterstützungs- und Pflegebereitschaft der Angehörigen: Es sind mehrheitlich Menschen in der dritten Lebensphase, die diesen Dienst an ihren Angehörigen übernehmen. Häufig sind es die Ehefrauen oder die Töchter, die sich hier engagieren.
Pflegende Angehörige können auch Freunde und Nachbarn sein
Auf Dauer kann die Unterstützung und die Pflege von alten Menschen nur dann sichergestellt werden, wenn wir uns alle in der Verantwortung sehen, für den anderen da zu sein. Angesichts der demografischen Entwicklung und veränderter Lebensformen wird Hilfe künftig auch von anderen Personen aus dem persönlichen Umfeld geleistet werden müssen. Der Begriff “Pflegende Angehörige” sollte daher für Familie, Verwandte, Freunde und Nachbarn stehen, die nicht-beruflich Hilfe leisten oder pflegen.
Prälat Dr. Peter Neher
ist katholischer Priester und seit dem Jahr 2003 Präsident des Deutschen Caritasverbandes. Dieser Blogeintrag war Teil seines Statements beim Start der Kampagne Experten fürs Leben.
Alte Menschen sind für mich Experten fürs Leben und ihr Erfahrungsreichtum ist ein Schatz für die Gemeinschaft.














Die Pflege alter Menschen geht alle an, …
seit Jahren gehört es zum journalistischen Alltag, mit kritischen,mahnenden,anklagenden und nicht immer sachlichen Berichten die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen auf die Situation derer, die alt und krank sind , die auf Hilfe angewiesen sind.
Was bewirken diese Artikel bei den so Informierten in der Gesellschaft -z.B. den Einrichtungsträgern,bei den Selbstverwaltungsorganen/Kassen, bei Politikern,bei Betroffenen und potentiell Pflegebedürftigen und nicht zuletzt bei den Angehörigen der Pflegeberufe?
Die Veröffentlichtungen über Missstände in der Versorgung stellen überwiegend die pflegerische Arbeit in den Mittelpunkt der Anklage, -in manchen Fällen wohl auch berechtigt-, dauerhaft jedoch wird mit dieser Sündenbockmethode mehr zerstört als zum Positiven gewendet, es entstehen Druck, Angst,Vorurteile,überhöhte Ansprüche.
Wenn wir die politischen und wirtschaftlichen Einwicklungen und Reaktionen der letzten Jahre betrachten, wird der Gesellschaft folgendes vermittelt:
Es ist wunderbar, dass wir heute so alt werden dürfen, aber damit stehen wir vor riesigen Problemen,- finanziell und personell;
Das hohe Alter erfordert den Zuwachs an medizinischen,aber auch pflegerischen Leistungen;
Es werden mehr Hilfsmittel erforderlich;
Über gesetzliche Regelungen wird ein(überdimensioniertes)Kontroll-u.Transparenzsystem
geschaffen zur Darstellung der Qualität – unter welchen Bedingungen diese Qualität zu erzielen ist, ist dabei nicht von Bedeutung;
Die inzwischen gängige Sprache verdeutlicht Denkart und Haltung der Politik und vieler Gremien:
“Gesundheitsmarkt, Gesundheitswirtschaft, Produktivität, Kunden” um nur einige Begriffe zu nennen;
Zu erinnern ist an ein große Kampagne der Politik, mit viel Aufwand betrieben: ” Entbürokratisierung”
Leider ist diese Kampagne nur eine Worthülse, tatsächlich ersticken wir mehr und mehr in Formularen,Berichten, Dokumentationen jeglicher Art, Protokollen, Richtlinien,Anweisungen u.s.w., diese lassen sich kontrollieren, – aber für das Wesentliche, nämlich die Begleitung des Menschen und die pflegerische Arbeit, ist immer weniger Zeit übrig,obwohl doch genau hier die Qualität erbracht werden soll,die dann zu prüfen ist. Das Papier muss bedient werden, es ist in unserer Gesellschaft meist bedeutungsvoller als der Mensch!
Alle neu entstehenden Vertragswerke, Gesetze und Kontrollsysteme brauchen selbstverständlich Menschen zur Bearbeitung dieser Regeln, – Verwaltungs- und Controllingpersonal. Beim Vergleich zwischen dem Zuwachs auf dieser Seite und dem Abbau von Pflegefachpersonal bleibt so mancher Vorwurf im Halse stecken. Ja, die Zahl der Beschäftigten in der Pflege aus dem Bereich der Angelernten, niedrigschwellig Ausgebildeten und Ehrenamtlichen hat in den letzten Jahren zugenommen, – aber die Fachaufsicht und Begleitung, die Steuerung muss vom Fachpersonal wahrgenommen werden ,- und das wird immer weniger. Der drohende Personalnotstand wurde lange gesehen, dennoch fehlen die erforderlichen, politischen Schritte, Motivation für diesen Beruf zu erzeugen, die Wertschätzung der Pflegearbeit und des Pflegeberufes ist selten erkennbar. Überbelastung führt zu hohem Krankenstand und dieser wiederum zu kaum verlässlichen Dienstplangestaltungen, planbare Zeiten für Partner und Kinder werden zur Seltenheit.
Leider haben die unser marktwirtschaftliches Denken geprägten Begrifflichkeiten ” mehr, schneller, produktiver” sein, auch in der Pflege Einzug gehalten.
In der Medizin gibt es das Produkt ” die Diagnose”, die folgende Therapie wird bezahlt von Krankenkassen, Pflege kostet, so ist es und deshalb wird sie,(Pflegeberufe eingeschlossen,) immer nur am Rande und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten
betrachtet.
Noch eine Bemerkung zu den Hilfsmitteln:
Ohne gesetzlichen Druck haben sich die Krankenkassen entschieden, per Ausschreibungsverfahren die billigsten Anbieter zu ihren Vertragspartnern zu machen, der Versicherte kann hierbei nicht mehr wählen, – obwohl die angebotenen Produkte oft von minderer Qualität sind.Der durch diese Verfahren entstehende Aufwand wird übrigens wieder dem Pflegebereich übertragen.
Pflege alter Menschen geht alle an!
Ja, Pflege überhaupt geht alle an, sie ist eine gesellschaftliche Aufgabe.
Pflege ist eine Aufgabe, an der sich die Kultur einer Gesellschaft ablesen läßt!
Und wenn das so ist, muss bei allen Verantwortlichen,die das Gesundheitswesen in die Zukunft hinein gestalten wollen, im Denken, in der Sprache und im Handeln die ethische Ausrichtung so verändert werden, dass nicht Formalismus,Bürokratismus und Geld,sondern der “Mensch” tatsächlich im Mittelpunkt steht.
Ich hörte heute in einem Beitrag von Domradio gemeinsam mit meiner ältesten Tochter einen Beitrag, der uns alle sehr interessierte. Es ging um ein Projekt der Caritas. Weil mein 82jähriger Vater (beginnende Demenz) und meine Schwiegermutter (über 70 und Multiple Sklerose) pflegebedürtig sind, die MS nicht anerkannt wird als Pflegestufe und die Pflege beim Vater, der 10 Autominuten entfernt von hier wohnt, ständig kontrolliert werden muss, weil wir so schlechte Erfahrungen haben – kurzum, weil wir Hilfe als Angehörige benötigen. Denn wir gehören zur Minderheit derer, die tagsüber von morgens 7 bis abends arbeiten dürfen und auch müssen. Unser dritter Pflegefall, immerhin meine Mutter, musste im Pflegeheim sterben, man hatte nicht mal 10 Minuten Zeit für Sterbebegleitung in einem Heim, das Lazarus heißt und sich von außen christlich gibt.
Daher möchten wir gerne hier in Köln-Longerich, direkt vor der Haustür, wo wir wohnen, wo meine Schwiegermutter seit ein paar Monaten wohnt und wo mein Vater in der Nähe wohnen könnte, ein Konzept für unsere Elternteile erarbeiten. Ich fuhr dazu zur Caritas für Köln-Nord. Dort lief ich einfach vor die Wand. Ich bekam ein Angebot, in die Stegerwaldsiedlung mit meinem Vater zu gehen. So ein Unfug, denn dann ist er noch weiter weg.
Ich hätte gerne mal den Caritas-Vertreter persönlich gesprochen, denn Hörfunk- und Fernsehbeiträge sind das Eine, meine Erfahrung völlig anders. Ich würde zur Caritas gehen, aber der jetzige Pflegedienst und die Caritas-Pflege unterscheiden sich ja nicht.
Was kann ich tun?
Wir wollen unsre Eltern in der Nähe haben, sie sollen in ihren eigenen Wohnungen wohnen, wir wollen sie zu Fuß erreichen (wegen Kosten und Zeit, Schnelligkeit auch nachts usw.). Aber Pflegeheime sind bei uns tabu, seit wir so schreckliche Erfahrungen machten, die für die jeweiligen Firmen völlig normal sind – “Ihre Vorstellungen mögen gut klingen, aber das ist nicht finanzierbar”. Toll. Geld haben wir auch nicht zuviel.
Auf Ihre Kampagne bin ich aufmerksam geworden durch unseren Sohn, der bei katholisch.de Redakteur ist.
Bei uns in Oldenburg gibt es in einem Stadtteil eine segensreiche Einrichtung “evasenio” (evang. Seniorenhilfe Oldenburg).Hauptsächlich will man mit den verschiedensten Hilfen erreichen,dass die alten Menschen möglichst lange in ihren “vier Wänden” bleiben können.Ich bin z.B. ehrenamtlich im Besuchsdienst tätig und betreue z.Zt einen 90 jährigen Herrn, wir beide freuen uns immer auf die gemeinsamen Nachmittage. Mechthild Zimmermann.