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Ein junger Mann und ein alter Dame lächeln sich an (c) KNA/DCVAlte Menschen sind für mich Experten fürs Leben, weil sie sich so vermehrt haben, dass ihre Lebensräume in Zukunft über die Lebendigkeit unserer Gesellschaft entscheiden. Das ist aber mit dem alten Generationenvertrag nicht zu machen, weil er auf der Trennung der Altersgruppen nach dem Leistungsprinzip aufbaut. Ein neuer, zukunftsfähiger Generationenvertrag muss offensichtlich anders aussehen, aber wie?

Es gibt keine alterstypischen Aufgaben mehr

Die Leistungsfähigkeit kann aus meiner Sicht nicht mehr das einzige Kriterium sein. Lernen, Arbeiten, Ausruhen – die Unterscheidung nach alterstypischen Aufgaben gilt heute nicht mehr. Diese überlappen, werden eher gleichzeitig gelebt. Und noch etwas hat sich verändert: Die Industriegesellschaft des 20. Jahrhunderts trennte die Schwachen von den Starken, die Alten von den Jungen und das Leben vom Sterben. Heute wollen wir immer mehr die – auch altersmäßige – Mischung, wollen mehr Integration wagen, statt Institutionalisierung und Ausgrenzung in Heimen.

Die Jüngeren profitieren immer länger von den Älteren

Das hat auch etwas mit der gestiegenen Alterserwartung zu tun. Bei fünf Kindern und zehn Enkeln habe ich reichlich Gelegenheit, darüber nachzudenken, was es bedeutet, dass die Älteren den Jüngeren heute – statistisch gesehen – mehr Zuwendung an Zeit und oder Geld geben als umgekehrt. Erst jenseits des 80. Lebensjahres schlägt das langsam ins Gegenteil um. Auch hierfür steigen die Chancen, je mehr wir gemischt und integriert leben. Selbst Demente wollen, wenn man sie fragt, keine Monokultur. Und ins Pflegeheim will heute – ganz anders als früher – auch kaum noch jemand.

Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner

ist 76 Jahre alt und lebt in Hamburg. Der Psychiater und Historiker war leitender Arzt des Psychiatrischen Landeskrankenhauses Gütersloh und hatte gleichzeitig den psychiatrischen Lehrstuhl der Uni Witten-Herdecke inne. Er ist Autor des 2007 erschienen Buches „Leben und sterben, wo ich hingehöre“.

Alte Menschen sind für mich Experten fürs Leben, weil sie sich so vermehrt haben, dass ihre Lebensräume in Zukunft über die Lebendigkeit unserer Gesamtgesellschaft entscheiden, was aber mit dem bisher gewohnten, alten „Generationenvertrag“ nicht zu machen ist, weil dieser noch auf der Trennung der Altersgruppen nach dem Leistungskriterium aufbaut.

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