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Alter Mann blickt auf Computerbildschirm (c) Fotolia - flashgunEs begann mit 58! Genauer gesagt in dem Lebensjahr, in dem ich das Glück oder Unglück hatte, vorzeitig in den Ruhestand gehen zu dürfen. Ganz aus dem Arbeitsleben aussteigen wollte ich allerdings nicht. Mein Ziel: Kenntnisse und Wissen in meinem Spezialfach Qualitätsmanagement in der Informatik an Jüngere weitergeben. Bei diesem Thema ist der Kontakt zu jungen Menschen quasi garantiert, denn Computer und deren Anwendungen sind nun mal nicht die Domäne der Generation 60plus. Bald konnte ich meine Ziele realisieren.

Ich engagierte mich beim Senior Experten Service (SES). Diese Stiftung der Deutschen Wirtschaft bietet Menschen im Ruhestand die Möglichkeit, ihr Wissen an andere im Ausland oder in Deutschland weiterzugeben. Über den SES fand ich schnell eine Softwareschmiede (die entwickeln Computerprogramme!) in Ludwigshafen am Rhein, die Anwendungen für die pharmazeutische Industrie entwickelte und hoffte noch etwas von mir lernen zu können.

Erfahrung rettet Menschenleben

Für den interessierten Laien sei kurz erklärt, was ich da machen sollte. Wer schon mal mit dem Computer gearbeitet hat weiß, dass diese Kiste nicht immer das macht, was wir von ihr verlangen. Meist liegt das aber nicht am Computer sondern an denen, die diesen bedienen. Doch bei dem Einsatz von Computern im Gesundheitswesen können wir uns keine Fehler erlauben, wenn wir nicht Leib und Leben von Patienten gefährden wollen.
Genau hier beginnt der Einsatz des erfahrenen Experten, denn was alles schiefgehen kann, das muss man – wenn auch nicht immer am eigenen Leibe – erlebt haben. Ausgehend von diesem Wissen können schon bei der Entwicklung von Computersystemen die Risiken weitestgehend ausgeschlossen werden.

Alter Apotheker – junge Informatiker

Die Skepsis der jungen Mitarbeiter bei meinem neuen „Arbeitgeber“ war am Anfang deutlich zu spüren, denn was sollte denn ein „alter“ Apotheker einem jungen Informatiker in dessen Fachgebiet noch beibringen können. Diese Skepsis schwand jedoch sehr schnell, als man erstaunt merkte, dass der „Alte“ die Fachterminologie ganz gut drauf hatte. In sehr kurzer Zeit hatten wir für das Projekt die gemeinsame Zielsetzung erarbeitet, eine Zeitplanung festgelegt und uns auch persönlich gut verstanden. Die nächsten beiden Jahre hatten wir dann alle gut zu tun. 35 Arbeitstage plus Vorbereitungen habe ich in dieser Zeit in das Projekt investiert und manchmal fühlte ich mich noch voll im Berufsleben. Am Ende unserer Zusammenarbeit konnten wir feststellen: Ziel erreicht!

Nicht nur von den Enkeln lernen

Das Resümee meines Arbeitgebers lautete: „Mit der Unterstützung von Dr. Sauerbier war es uns überhaupt erst möglich unsere Produkte in der Pharmabranche zu verkaufen. Daneben haben wir insbesondere von seinem reichen Erfahrungsschatz in diesem Industriezweig profitiert: Er gab uns wertvolle Tipps …“

Mein Resümee:

  • Ich fand es wertvoll, dass mein in vielen Jahren erworbenes Wissen noch so gut in die heutige Praxis umgesetzt werden konnte.
  • Begeistert hat mich, dass ich selbst meinen Horizont über die neuesten Entwicklungen in der Computertechnik erweitern konnte.

Denn: Ich möchte auf diesem Gebiet auch meinen Enkeln noch etwas beibringen können und nicht nur umgekehrt! 

Dr. Rudolf Sauerbier

Dr. Rudolf Sauerbierarbeitete in leitenden Positionen der Pharmaindustrie. Als Rentner engagiert sich der 62-Jährige heute ehrenamtlich in der Entwicklungshilfe, bei der Gestaltung von Jakobuswegen in Baden-Württemberg und im Senior Experten Service. Er lebt in Gundelfingen bei Freiburg.

Alte Menschen sind für mich Expertinnen und Experten fürs Leben, weil sie häufig auch noch bei Themen helfen können, die die „Jungen“ eigentlich für sich beanspruchen.

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