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Fachlich gute Pflege und menschliche Nähe – diese Kombination ist in Gefahr. Die Einsparpotenziale in der Altenhilfe sind ausgereizt. Man kann einer Frau mit Schluckbeschwerden das Mittagessen nicht in fünf Minuten reichen oder einen Mann mit beginnender Demenz in dem Tempo waschen wie vor der Erkrankung. Um wirtschaftlich zu bleiben, schrauben viele Träger die  Löhne ihrer Mitarbeiter nach unten. Die jetzt beschlossenen Mindestlöhne im Pflegebereich setzen dem eine Grenze, doch das Problem ist damit nicht behoben.

Der Pflegeberuf muss attraktiver werden

In manchen Gegenden Deutschlands sind in den letzten Jahren die Löhne in der Altenhilfe so weit abgesunken, dass es immer schwieriger wird, geeignetes Personal zu finden. Gerade die leistungsbereiten, engagierten jungen Menschen werden so in ihrer Motivation gebremst einen pflegerischen Beruf zu ergreifen. Und die, denen dieser Beruf gefällt, weil sie gerne mit Menschen zu tun haben, werden durch wachsende Bürokratie und zunehmenden „Papierkram“ abgeschreckt und demotiviert. Eine fatale Entwicklung angesichts der Alterung unserer Bevölkerung und dem steigenden Bedarf an Pflegepersonal.

Caritas zahlt mehr als den Mindestlohn

Die Caritas kann und will dieses Spiel nicht mitmachen. Sie bezahlt Gehälter, die im kirchlichen Tarifsystem von Dienstgebern und Dienstnehmern ausgehandelt werden und sich am Öffentlichen Dienst orientieren. In Niedersachsen führte das im vergangenen Jahr dazu, dass der Caritasverband Hannover aus wirtschaftlichen Gründen vier Altenheime verkaufen musste. Jahrelang hatten die Kollegen und die Bischöfe darauf hingewiesen, dass die Refinanzierung der Pflegekosten durch die Krankenkassen nicht ausreicht, um die Personalkosten der Pflege zu finanzieren. Bis zum Schluss wurden Arbeitsabläufe und Personalpläne überprüft, um noch wirtschaftlicher zu arbeiten.

Qualität hat auch in der Altenhilfe ihren Preis

Letztlich leiden alle Beteiligten unter dieser Entwicklung. Deshalb braucht es ein Umdenken in Politik und Gesellschaft: Qualität hat ihren Preis. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege verdienen gerechte und faire Löhne, die Träger der Einrichtungen müssen ihre Kosten für die Pflege über die Entgelte der Pflegeversicherung refinanzieren können. Das ist die Herausforderung der Stunde, damit wir in den kommenden Jahren genügend junge Menschen für den Pflegeberuf werben können und unsere bewährten Mitarbeiter die Freude am Beruf nicht verlieren.

Hanno HeilHanno Heil

ist erster Vorsitzender des Verbandes katholischer Altenhilfe in Deutschland e.V. (VKAD). Der bundesweit tätige Fachverband für die Altenhilfe innerhalb des Deutschen Caritasverbands setzt sich seit Jahren für gerechte Löhne in der Altenhilfe ein. Er stellt die Frage: Was ist unserer Gesellschaft die Betreuung und Pflege alter Menschen wert?

 Alte Menschen sind für mich Experten fürs Leben, weil sie wissen, was es heißt alt zu werden und weil sie den eigenen Sinn des Alterns, vielleicht auch den Eigensinn des Alters, am ehesten verstehen können.

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5 Kommentare zu “Mindestlohn in der Pflege löst nicht alles”

  1. Andreas Göring sagt:

    Das Problem kam ja wie jährlich Weihnachten. Eigentlich weiß das ja auch jeder, dass es kommt und wann es kommt, trotzdem ist die Überraschung jedesmal wieder groß, huch, wo kommt das denn her?
    Die demographische Entwicklung war lange vorauszusehen, aber politisch gewollt nicht weiter in Augenschein genommen. Dann wurde die Pflegeversicherung eingeführt, um wenigstens den Eindruck zu erwecken, man kümmere sich um die Heruasforderungen, die auf die Gesellschaft zukommen. Mit dieser verspäteten und meines Erachtens halbherzigen Aktion und deren Folgen war von vorneherein klar, dass eine den Menschen respektierende Pflege nicht auskömmlich finanzierbar geplant wurde.
    Mindestlohn verhindert zum Glück den weiteren Verfall der Vergütung, aber er löst eben nicht das Problem, dass die politische Entwicklung seit Jahrzehnten am Bedarf des Bürgers, in diesem Falle des auf pflegerische Versorgung angewiesenen Bürgers, vorbeischaut und diesem nicht gerecht wird.
    Es wird sich zeigen, ob die kirchlichen Träger auf Dauer der “Mindestlohn-Perspektive” gewachsen sind oder – wie vielfach befürchtet – weiterhin die Verlierer im Blickwinkel der Pflegekassen sind.

  2. Wittbrodt sagt:

    Nein, Mindestlohn in der Pflege löst nicht alles, aber er sichert das Mindesteinkommen derer, die von ihrem verantwortungsvollen Beruf in der Pflege und Betreuung alter und/oder dementer Menschen auch ihr eigenes Leben und das ihrer Kinder bestreiten müssen.
    Der Mindestlohn ist für mich daher ein faires und adäquates Instrument weitere Armut (auch der Kinderarmut bei alleinerziehenden Pflegekräften) einzuschränken; um diese zu verhindern reicht der Mindestlohn leider auch nicht …
    Pflegekräfte sollten vor allem gut ausgebildet, regelmäßig gut qualifiziert und immer gut motiviert sein, um den Bedürfnissen alt und krank gewordener ehemaliger Steuer- und Krankenversicherungszahler Rechnung tragen zu können. Aber wer so viel über Geld nachdenkt (nachdenken muss) verliert oft das Blick für das Wesentliche: Der Pflegeberuf wird in der Bevölkerung allgemein hoch geschätzt! Und tatsächlich gehört er zu den Berufen, aus denen das Wort BERUFUNG abzuleiten ist. Daher ist es ohnehin sehr schade, dass dieser allgemein wertgeschätzte Berufszweig (den früher oder später die meisten von uns einmal benötigen werden) nicht auch in barer Münze ausgezahlt bekommen kann, was er tatsächlich verdient …! Ein Motto zur letzten Wahl hieß: “Arbeit muss sich wieder lohnen”! Mag das Lächeln eines alten Menschen die Pflegekraft auch für seine gute Arbeit belohnen, so entlohnt es sie nicht! Was recht ist, sollte recht bleiben: Verdienen würden Pflegekräfte eigentlich eine Menge und selbst ein Mindestlohn stellt langfristig keine adäquate Entlohnung für einen der menschlichsten, aufopfernsten und humansten Berufe der Welt …

  3. Dirk Marks sagt:

    Ich erinnere mich an Zeiten in denen der Mensch im Vordergrund stand.Diese Zeiten sind leider schon eine Weile vorbei. Mit der damaligen Einführung der Gesundheitsreform und der damit verbundenen Umsetzung der Pflegeeinstufungen etc. wurde der Weg für Akkordpflege erst frei gemacht. Die Qualität in der Pflege hängt nicht von irgendeiner Fachkraftquote oder Bezahlung ab. Wenn wir aufhören würden ständig von Fachlichkeit und Bezahlung zu sprechen und die Menschlichkeit in den Vordergrund stellen würden wäre den älteren Menschen unter uns schon sehr viel geholfen. Pflege muss ohne Zweifel bezahlbar sein aber sollte nicht im Zusammenhang mit einem menschenwürdigen Altern stehen da dies selbstverständlich für die Gesellschaft sein muß.

  4. [...] Pflegebereich setzen dem eine Grenze, doch das Problem ist damit nicht behoben. mehr unter: Quelle: blog.experten-fuers-leben.de Post Published: 16 Juni 2010 Author: ue9090 Found in section: Aktion Pflegenotstand, Ausgabe [...]

  5. [...] Pflegebereich setzen dem eine Grenze, doch das Problem ist damit nicht behoben. mehr unter: Quelle: blog.experten-fuers-leben.de Post Published: 14 Juni 2010 Author: Michael Posse Found in section: Ausgabe 43T, Beiträge von [...]

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