Im Altenheim geht es um das Leben des Bewohners oder der Bewohnerin. In den banalen Dingen des täglichen Lebens zeigt sich, ob sein individuelles Leben geachtet wird, ob Mitarbeiter sich von Gottes Zusage für den Menschen leiten lassen, ob Gott vorkommt. Entscheidend sind die Strukturen, die Organisation der Arbeitsabläufe, das Leitbild, die Vision und die Konzeption. In der Altenzentrum-Sankt-Stephan-Stiftung heißt das: „Bewohner bleiben trotz ihrer Gebrechlichkeit, ihrer Verwirrtheit und Pflegebedürftigkeit Subjekt, Träger eines selbstbestimmten unabhängigen Lebens. Sie sind als Bewohner Herr ihres Lebens.“
Zur Erreichung dieses Zieles ist eine menschliche Kompetenz erforderlich, die den Menschen in seiner Einzigartigkeit achtet. In unserer Stiftung nennen wir das „Menschlichkeit als Querschnittsfachlichkeit“. Damit meinen wir ein geplantes, geschultes, eingeübtes, fachlich begründetes Handeln, mit dem Ziel, dem Bewohner zu dem zu verhelfen, was er zum Leben braucht.
Mitarbeiter bestimmen nicht über die Bewohner
Jeder Mitarbeiter bekommt folgende Handlungsleitlinien mit auf den Weg: „Bewohner und Angehörige werden als Betroffene beteiligt. Mitarbeiter bestimmen nicht, sondern sie begleiten und unterstützen Bewohner sowie Angehörige. Hilfe wird nur in dem Maße gewährt, als sie erforderlich ist, damit der Bewohner leben und sich helfen kann.“
Die Teamkonferenz ist bei uns der Dreh- und Angelpunkt zur Erreichung dieser Ziele. Dabei geht es um die Sicherung des gewohnten Lebens und um die individuelle Alltagsgestaltung nach den Wünschen der Bewohner. Dort werden verbindliche Absprachen getroffen. Alle Leistungsbereiche, einschließlich der Seelsorge, sind beteiligt. Wir sind überzeugt, dass unsere Bewohner auf diese Weise „existentiell fördernde Erfahrungen“ machen, wie den Erhalt von Unabhängigkeit, Würde, Freiheit, Selbstbestimmung, persönliches Ansehen, Zuversicht, Hoffnung, Sicherheit und Wohlbefinden. Die Bewohner bleiben „Herr ihres Lebens“. Biblisch gesprochen heißt unser Auftrag: Lasst sie erfahren, dass das Reich Gottes nahe ist.
Günter Schmidt
ist katholischer Priester der Kirchengemeinde St. Stephan in Andernach. Der 73-Jährige hat langjährige Erfahrung in der Altenhilfe und ist Vorstandsvorsitzender der Altenzentrum-Sankt-Stephan-Stiftung.
Alte Menschen sind für mich Expertinnen und Experten fürs Leben, weil jeder ein einzigartiges Leben hat. Deshalb kann nur jeder selbst seinem Leben eine Stimme geben.













