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Zwiebeln und Kartoffeln schälenDies ist die Geschichte von Frau Schmidt. Die 85-Jährige lebt in unserer Hausgemeinschaft – und sie tut es gerne. Endlich ist sie nicht mehr alleine. Vorbei ist die Zeit, in der sie immer unsicherer wurde bei der Bewältigung ihres Alltags. Ihr schleichender Abschied von der Welt um sie herum, ist beendet. Das freut Frau Schmidt und ihre Angehörigen. Die hatten sich große Sorgen gemacht.

Sie und die professionellen Dienstleister erzählten, dass Frau Schmidt unter dem Verlust von sozialen Kontakten litt. Sie zog sich mehr und mehr in ihre Wohnung zurück, und fühlte sich nicht mehr in der Lage, ihren Haushalt zu führen. Sie wirkte oft apathisch, zunehmend unsicher und ängstlich. Ein Leben allein in der Wohnung schien trotz der Unterstützung durch Sozialstation und haushaltsnaher Dienstleistungen auf Dauer nicht möglich. Eine beginnende Demenzerkrankung war schließlich der Auslöser für den Umzug zu uns.

Rückkehr einer erfrischenden Lebendigkeit

Heute ist vieles anders. Bereits nach vier Wochen half Frau Schmidt bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten in unserer Hausgemeinschaft. Besonders gerne schält sie Äpfel. Die jüngeren Kollegen staunen immer wieder, wie flink ihr das von der Hand geht. Auch faltet sie gerne Wäsche. Sie ist froh, sich noch nützlich machen zu können.

Ich habe das Gefühl, in gutem Kontakt und einer stabilen Beziehung zu Frau Schmidt zu leben und zu arbeiten. Wirkten ihre Augen anfangs oft blass und teilnahmslos, so blitzt heute in ihnen oft eine erfrischende Lebendigkeit und Freude auf. Sie lacht viel und herzhaft, steckt andere damit an. Ich bekomme viel von Frau Schmidt geschenkt. Das geht auch anderen so, denn sie hat den Kontakt zu ihren sozialen Kompetenzen wiedergefunden. Einem Mitbewohner im Rollstuhl ist sie eine treue Unterstützerin geworden, Frau M. ist ihre neue Freundin. Wird sie von uns angesprochen, hilft sie, den Tisch einzudecken. Das macht sie nach ihren Vorstellungen und in ihrem Tempo – und das ist gut so. Es ist immer wieder schön zu sehen, welche Kreativität in Frau Schmidt freigeworden ist.

Ich erkenne meine Mutter nicht wieder

Eine Tochter, der es vor dem Umzug schwerfiel mit der Situation ihrer Mutter umzugehen, fiel aus allen Wolken, als sie wahrnahm, welche Entwicklung diese gemacht hat. “Ich erkenne meine Mutter nicht wieder. Wir wussten gar nicht mehr, dass sie noch so vieles kann. Sie ist richtig aufgeblüht.” Inzwischen kommen auch die anderen Kinder von Frau Schmidt regelmäßig zu Besuch. Samstags backt eine Tochter regelmäßig in unserer Hausgemeinschaft einen Kuchen. Erinnerungen an zu Hause und an die eigene Kindheit werden wach. Das mündet dann in einer gemütlichen Kaffeerunde mit allen, die hier leben und arbeiten.

Ich weiß, dass Frau Schmidt früher gerne das Kino besucht hat. Ich habe das Gefühl, dass das heute auch noch schön für sie sein könnte. Daher richte ich für die Zukunft meine Aufmerksamkeit auch darauf, ob es gelingen kann, mit Frau Schmidt hin und wieder ins Kino zu gehen. Kontakt zu unserem ehrenamtlichen Begleitdienst habe ich schon aufgenommen.

Hermann Depenbrock

vom Caritas-Diözesanverband in Münster hat diese Geschichte von Frau Schmidt und der sie betreuenden Pflegerin aufgeschrieben.

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2 Kommentare zu “Wie Frau Schmidt ins Leben zurückfand”

  1. Marie sagt:

    Hungrige speisen, Durstige tränken, Kranke pflegen. Drei von sieben Werken der Barmherzigkeit, die das Christentum als Beispiele für Hilfeleistungen kennt und nennen. Hilfeleistungen, die zum sozialen Funktionieren einer mit-menschlichen Gesellschaft nötig sind. Hilfeleistungen, die Christen aus ihrer religiösen, aus ihrer an Christus angebundenen Glaubensgewissheit heraus leisten. Sollten….!

    Solange sie aus der persönlichen Motivation des Einzelnen heraus erfolgt, ist diese barmherzige Hilfeleistung eine ebenso gute wie einfache – wenn auch sicher nicht unbedingt leichte -Tat. Im 16./17. Jahrhundert hat der Theologe Vinzenz von Paul damit begonnen, diese Werke der Barmherzigkeit zu institutionalisieren. Er gründete die “Bruderschaft der Damen der christlichen Liebe“, eine karitative Frauenvereinigung adliger Damen, die sich um Arme und Kranke sorgte.

    Vinzenz von Paul wurde unter anderem für diesen christlichen Geniestreich heilig gesprochen, legte er doch mit seinen barmherzigen Damen den Grundstein für die heutige Caritas. Während in anderen Ländern die Caritas bis heute der vinzentinischen Grundstruktur treu geblieben und eine rein ehrenamtliche Organisation geblieben ist, hat sich die Caritas in Deutschland zu einem der größten Wohlfahrtsverbände entwickelt. Diese Wohlfahrtsverbände haben die Werke der Barmherzigkeit mithilfe des Subsidiaritätsprinzips professionalisiert. Das ist gut. Denn einer stets wachsenden Zahl von Hilfebedürftigen stehen qualitativ messbare Hilfeleistungen zur Verfügung. Theoretisch zumindest.

    Jedes Messergebnis hängt von den Kriterien des Prüfenden ab. So variiert die Qualität der Kindererziehung in den vielen Kindertagesstätten, der Altenpflege in den ambulanten und stationären Diensten, der Beratung und Unterstützung in den sozialen Zentren je nach Standpunkt und Sichtweise des Betrachters. Das ist zwangsläufig so, in einer Dienstleistungsgesellschaft. Und natürlich ist ein kirchlicher Dienstleister davon nicht ausgenommen.

    Dienstleister? Doch genau hier liegt die Crux. Irgendwann im Laufe der Entwicklung von den barmherzigen Damen des Heiligen Vinzenz zu den in rotweißer Dienstkleidung und entsprechenden Dienstfahrzeugen Barmherzigkeit anwendenden Damen der Caritas hat sich diese Barmherzigkeit gewandelt. Von einer geleisteten Hilfe zu einer Hilfeleistung. Hilfe wie Dienst. Nun ist Dienst am Nächsten etwas durchaus christliches. Ein Dienstleister allerdings dient weniger, als er leistet. Über die Zwänge des Sozialmarktes seit der Pflegereform ist längst alles gesagt worden, in allen Variationen. Menschliche Gesundheit und Wohlergehen sind zu Gütern geworden. Das ist gut, denn sie sind tatsächlich die höchsten individuellen Güter einer sozial verantwortlichen Gesellschaft. Güter im marktwirtschaftlichen Sinne jedoch sind Handelswaren, ihre Qualität Verhandlungssache.

    Allerdings: Die Schwester, der Pfleger sind keine Pflegeautomaten. Sie sind Menschen. Mit Stimmungen und Schwingungen. Vor allem aber mit Druck. Zeitdruck. Leistungsdruck. Abrechnungsdruck. Die Hilfen passieren nicht mehr 1:1. Sie sind in einem Apparat erfasst, in elektronischen Systemen mit komplizierten Programmen. Pflegefehler sind menschlich, mehr als verzeihbar und im direkten Gegenüber von Pflegenden und Bedürftigen schnell aus der Welt. Computer, zentrale Erfassung und Abrechnung, Verteilung von Dienstplänen und Pflegern sind Glieder einer fatalen Kette, die die Pflege 1:1 zu einem Labyrinth werden lassen, in dem sich alle Beteiligten, Kranke, Angehörige und Pflegende verirren.

    Und nun? Nein, dies ist kein Plädoyer zur Abschaffung ambulanter, professioneller Pflege! Das ist angesichts einer stetig wachsenden Zahl von Menschen, die auf pflegende Hilfe zuhause angewiesen sind, utopisch.

    Was den Betroffenen, Pflegern, Schwestern, Kranken, Töchtern und Söhnen gut täte, wäre eine Besinnung auf die Wurzeln des Tuns, auf den Grund dieses Werkes der Barmherzigkeit, das da heißt “Kranke pflegen”. Was unterscheidet denn die kirchlichen “Dienstleister” von den nicht-konfessionellen? Nicht die Professionalität. Auch nicht die Gewinnorientierung! Die Motivation? Gut. Dann muss diese aber auch deutlich gelebt werden. Und gezeigt. Da müssen Fehler eingestanden und nicht vertuscht und übertüncht werden. Da müssen Pfleger und Schwestern christlichen Rückhalt spüren dort, wo ihre Leistungen gesteuert und erfasst werden. Das wäre doch so “einfach”: Einfach mal ehrlich sein. Schwächen zugeben. Stärken suchen. Kritik hören. Oder “einfach” mal das eigene Motto beim Wort nehmen und nah am Nächsten sein….

  2. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von caritas_webfamilie erwähnt. caritas_webfamilie sagte: Bewegende Geschichte von Frau Schmidt: Ihr schleichender Abschied von der Welt um sie herum, ist beendet. http://tinyurl.com/2ufums9 #demenz [...]

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