Verwirrt oder nicht, mobil oder nicht, pflegebedürftig oder nicht – in unserem Haus wohnen ganz unterschiedliche alte Menschen unter einem Dach. Wir schätzen diese Form des Zusammenlebens, weil uns die Gemeinschaft wichtig ist. Seit einiger Zeit haben wir auch kleine Wohngemeinschaften, die sehr stark auf die Bedürfnisse verwirrter alter Menschen abgestimmt sind. Ein tolles Modell, das Leben und Arbeiten verbindet.
Jeder bringt seine Lebensgeschichte mit
Orientierung, Geborgenheit und Sicherheit – das vermitteln unsere Wohngemeinschaften den verwirrten Menschen. Ihr neues Zuhause wird lebendig durch eine große Familie. Zu der gehören nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch deren Angehörige sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wer hier wohnt, hat ein eigenes Zimmer und bringt die eigenen Möbel mit. Aber viel wichtiger: jeder bringt seine Lebensgeschichte mit. Dabei erzählen uns die alten Menschen „ihre“ Geschichten nicht nur mit Worten. Manche sind traurig, aber viele lassen uns gemeinsam schmunzeln und lachen.
Angehörige und Mitarbeiter gehören zur Familie
Auch die Angehörigen kommen mit frohen und traurigen Geschichten zu uns. Ihre Sorgen und Ängste bekommen den nötigen Raum, weil wir sie ernst nehmen. Wir wollen, dass sie sich bei uns ebenso gut aufgehoben fühlen wie ihre Eltern oder Verwandten, dass ihnen die Wohngruppe auch ein bisschen zur Heimat wird. Das gilt auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die hier nicht irgendeinen Job erledigen. Ihre Erfahrungen, Stimmungen, ihre Hochs und Tiefs beeinflussen ebenfalls das Miteinander. Ihr Lachen, ein Händedruck oder eine liebevolle Umarmung entschärfen oft kritische Situationen und helfen über viele Klippen.
Respekt und Wertschätzung schaffen besonderes Klima
Wir erleben, dass dieses besondere Klima irgendwie Mut zum Leben macht. Wenn Bewohnerinnen und Bewohner zum Beispiel ganz langsam wieder Aufgaben im Alltag übernehmen, wenn sie sich gegenseitig helfen und vieles wieder in die eigenen Hände nehmen. Schwerstpflegebedürftige Menschen reden, feiern, weinen und lachen mit den Mietern unserer Wohnungen, die noch sehr fit sind. Dieser ungezwungene Umgang ist geprägt von Respekt und Wertschätzung. Jeder und jede, egal an welchem Platz, egal mit welchen körperlichen oder geistigen Einschränkungen ist ein wichtiger Teil dieser Familie. So macht Leben und Arbeiten Spaß.
Maria-Magdalena Knorn
leitet seit 18 Jahren eine Altenpflegeeinrichtung mit 118 vollstationären Plätzen, 20 altengerechten Wohnungen und einem kleinen Tierpark in einer großen Parkanlage in Staßfurt (Land Sachsen-Anhalt). Die gelernte Krankenschwester und Sozialbetriebswirtin arbeitet für die Servitas gGmbH, die zum Diözesancaritasverband Magdeburg gehört.
Alte Menschen sind für mich Expertinnen und Experten fürs Leben, weil Sie uns viel zu erzählen haben.














Liebe Frau Knorn, ihre Darstellung einer Einrichtung klingt gut, besonders gut finde ich, dass ihr Konzeptverständnis beinhaltet, Angehörigen wahr- und ernstzunehmen. Gibt es auch eine Möglichkeit des aktiven Tuns, des Mitgestaltens, der Mitsprache seitens der Angehörigen in ihrer Einrichtung. Aufgrund meiner beruflichen und privaten Erfahrungen kann ich dies nur empfehlen (Hinweis auf IspAn-Interessenselbstvertretung pflegender Angehöriger (http://www.ispan.de) . Angehörige sind Experten in eigener Sache, aber auch Experten in vielen anderen Bereichen.