In einer älter werdenden Gesellschaft des langen Lebens und angesichts der Möglichkeiten der modernen Medizin, kann sich auch heute niemand der Herausforderung entziehen, diese Frage ganz persönlich zu beantworten. Diese Verantwortung darf man nicht auf andere abschieben. Allzu oft steht der Wunsch, ein langes und erfülltes Leben im Kreis vertrauter Menschen zu beenden, im Gegensatz zur Realität des Sterbens in der modernen Gesellschaft. Deshalb sind Patientenverfügungen eine wichtige Orientierungshilfe, auch wenn sie keine Patentlösung darstellen.
Als Moraltheologe an der Uni und Pfarrer einer Dorfgemeinde begegne ich immer wieder der ethischen Spannung zwischen dem medizinisch Möglichen und dem menschlich Sinnvollen, der Frage nach dem Sinn von Krankheit, Leid und Tod sowie der Sorge, die Würde des menschlichen Lebens an seinem Ende zu bewahren.
Leid und Sterben geht alle an
Als Christen – so meine ich – können wir hier Zeichen der Hoffnung setzen: Eine effektive Schmerzlinderung, der Ausbau stationärer wie ambulanter Palliativmedizin und nicht zuletzt die Einrichtung von Hospizen, sind dabei wichtige Schritte. Darüber hinaus kommt es darauf an, Krankheit, Leiden und Sterben als gemeinsame menschliche Verantwortung und Herausforderung zu begreifen.
Bewahrung der Menschenwürde am Lebensende
Papst Benedikt XVI. bringt es in seiner Enzyklika „Spes salvi“ auf den Punkt: „Der christliche Glaube schenkt dem Menschen eine nie aufbrauchbare Zukunftsperspektive.“ Diese Hoffnung motiviert zu einer veränderten Praxis im Umgang mit Kranken, Leidenden und Sterbenden, denen wir unsere Solidarität und Mitleidenschaft schenken. Der christliche Glaube leistet so einen wichtigen Beitrag für die Bewahrung der Menschenwürde am Lebensende. Die Aufgabe lautet: Nicht dem Leben Jahre, sondern den Jahren Leben geben!
Klaus Arntz
ist Priester der Diözese Münster und lehrt als Professor für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg. Der 47-jährige ist Pfarrer der Kirchengemeinde St. Vitus in Oberottmarshausen.
Alte Menschen sind für mich Expertinnen und Experten fürs Leben, weil sie – aufgrund ihrer Erfahrungen in der Vergangenheit – den Versprechungen der Zukunft kritisch begegnen.













